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Sepsis

Letzte Aktualisierung: 20.3.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die durch eine dysregulierte Immunantwort auf eine Infektion entsteht und mit Organdysfunktionen einhergeht (bspw. Leber- oder Nierenschädigung). Beim septischen Schock tritt zusätzlich eine Hypotonie trotz intravenöser Flüssigkeitsgabe sowie eine Lactaterhöhung auf.

Eine Sepsis sollte frühzeitig identifiziert und der Infektionsherd sowie der auslösende Erreger gesucht werden. Dabei sind klinische Parameter, mikrobiologische Diagnostik und ggf. Bildgebung entscheidend. Da die Sepsis ein hochakutes Krankheitsbild ist, sollte neben der Diagnostik parallel bereits eine Therapie begonnen werden. Diese umfasst insb. die Antibiotikatherapie, Kreislaufstabilisierung sowie das intensivmedizinische Management von Komplikationen. Die Prognose insb. des septischen Schocks ist schlecht – die Letalität liegt je nach Erkrankungsschwere zwischen 10 und 60%.

Du möchtest diesen Artikel lieber hören als lesen? Wir haben ihn für dich im Rahmen unserer studentischen AMBOSS Audio-Reihe vertont. Den Link findest du am Kapitelende in der Sektion „Tipps & Links“.

Definitiontoggle arrow icon

Sepsis und septischer Schock [1][2][3]

  • Sepsis: Akut lebensbedrohliche Organdysfunktion aufgrund einer dysregulierten Immunantwort auf eine Infektion
    • Vermutung einer Infektion für die Diagnose einer Sepsis ausreichend (Nachweis nicht zwingend erforderlich)
    • Vorliegen einer Sepsis-assoziierten Organdysfunktion bei Änderung des SOFA-Scores um ≥2 Punkte
  • Septischer Schock: Maximalvariante der Sepsis mit
  • Schwere Sepsis (veraltet)

Für die Diagnose einer Sepsis ist die Vermutung einer Infektion ausreichend – ein Nachweis ist nicht zwingend erforderlich!

Blutstrominfektion und Bakteriämie [4][5]

  • Blutstrominfektion: Präsenz von Erregern im Blut (bspw. Bakterien, Pilze), die zu einer Entzündungsreaktion mit entsprechenden Änderungen der klinischen, laborchemischen und/oder hämodynamischen Parameter führt
  • Bakteriämie: Präsenz von Bakterien im Blut, die transient (bspw. nach dem Zähneputzen) auftreten und auch ohne Änderung der o.g. Parameter einhergehen kann

Positive Blutkulturen sind für die Diagnose einer Sepsis nicht erforderlich!

Bei einer Blutstrominfektion liegt nicht zwangsläufig auch eine Sepsis vor!

Systemic inflammatory Response Syndrome (SIRS)toggle arrow icon

Definition

SIRS-Trigger

Ein SIRS kann sowohl infektiöse als auch nicht-infektiöse Ursachen haben!

SIRS-Kriterien [1]

SIRS-Kriterien

Körpertemperatur
  • ≥38 °C oder ≤36 °C
Herzfrequenz
  • ≥90/min

Atemfrequenz

Blutbild
Beurteilung: SIRS liegt vor, wenn ≥2 Kriterien erfüllt sind

Die SIRS-Kriterien können nur bei Personen ≥16 Jahre angewendet werden!

Die SIRS-Kriterien haben eine niedrige Sensitivität und Spezifität – daher kann auch bei fehlenden SIRS-Kriterien eine Infektion bzw. eine Sepsis vorliegen! [1]

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Inzidenz
    • In Deutschland 158/100.000 Personen/Jahr [7]
    • Weltweit ca. 276–678/100.000 Personen/Jahr [8][9]
  • Stationäre Behandlung: In Deutschland ca. 91.000 Personen/Jahr mit Sepsis oder septischem Schock [1]

Die Sepsis ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen und steht im Zusammenhang mit ca. 20% aller Todesfälle!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologietoggle arrow icon

Infektfokus

Prinzipiell kommt bei Sepsis jeder Infektfokus infrage, am häufigsten entwickelt sich eine Sepsis jedoch auf dem Boden einer Pneumonie! [10][11]

Der vermutete Infektfokus bestimmt maßgeblich das zu erwartende Erregerspektrum!

Erregerspektrum [1]

Eine Sepsis beruht in den allermeisten Fällen auf einer Infektion mit gramnegativen oder grampositiven Bakterien! [1][12]

In 20–30% der Fälle kann kein Erreger identifiziert werden! Ein häufiger Grund hierfür ist die mikrobiologische Diagnostik unter antibiotischer Therapie. Es sollte jedoch auch eine mögliche Fehldiagnose bedacht werden (es liegt keine Infektion und damit auch keine Sepsis vor)! [1]

Pathophysiologietoggle arrow icon

Eine adäquate Immunreaktion beruht auf einer Balance zwischen der proinflammatorischen (anti-infektiösen) und der antiinflammatorischen Antwort – bei der Sepsis ist diese Immunreaktion dysreguliert!

Eine Sepsis wird zwar durch eine Infektion ausgelöst, für den Krankheitsverlauf ist jedoch die dysregulierte Immunantwort entscheidend!

Symptomatiktoggle arrow icon

Die Sepsis hat kein pathognomonisches Leitsymptom; es zählt immer die Zusammenschau klinischer Parameter und ggf. vorliegender diagnostischer Marker!

Diagnostiktoggle arrow icon

Entscheidend ist die Erkennung von Personen mit (V.a.) Sepsis sowie die rasche Fokus- und Erregersuche. Infolge der Akuität werden diagnostische und therapeutische Maßnahmen bei der Sepsis optimalerweise parallel durchgeführt (siehe auch: Checkliste Sepsis-Therapie).

  1. Erkennen einer Sepsis
  2. Fokus- und Erregersuche
  3. Weitere Labordiagnostik bei Sepsis: Beurteilung der Organfunktionen und Entzündungsparameter

Die mikrobiologische Diagnostik sollte möglichst vor Einleitung einer antibiotischen Therapie erfolgen!

Die Sepsis ist eine schwere Erkrankung – der Beginn einer (antibiotischen) Therapie sollte durch die Diagnostik nicht verzögert werden!

Erkennen einer Sepsistoggle arrow icon

Screening

Die Sepsis ist in erster Linie eine klinische Diagnose – entsprechend wichtig ist bei (vermuteter) Infektion eine regelmäßige Verlaufskontrolle!

Sepsis-Screening-Tools [13][14]

Keines der aktuell vorhandenen Screening-Tools ist derart überlegen, dass es für die alleinige Anwendung zur Früherkennung einer Sepsis empfohlen wird! Eine Kombination erscheint daher sinnvoll (in der Notaufnahme bspw. qSOFA-Score und SIRS-Kriterien), um möglichst viele Sepsisfälle im frühen Stadium zu erkennen! [1]

SOFA-Score zur Diagnosestellung

Sequential Organ Failure Assessment (SOFA-Score)
Organsystem Lunge Niere Leber Kreislaufsystem Blut ZNS
Parameter Horovitz-Quotient Kreatinin (mg/dL) Bilirubin (mg/dL) MAP (mmHg) ± Katecholamine Thrombozytenzahl GCS
0 Punkte ≥400 mmHg <1,2 <1,2 ≥70 ≥150/nL 15
1 Punkt <400 mmHg 1,2–1,9 1,2–1,9 <70 <150/nL 13–14
2 Punkte <300 mmHg 2,0–3,4 2,0–5,9 Niedrige Katecholamindosis <100/nL 10–12
3 Punkte <200 mmHg 3,5–4,9 bzw. Oligurie 6–11,9 Mittlere Katecholamindosis <50/nL 6–9
4 Punkte <100 mmHg ≥5 bzw. Anurie ≥12 Hohe Katecholamindosis <20/nL <6
Beurteilung: Vorliegen einer Sepsis bei (vermuteter) Infektion und Anstieg des SOFA-Scores um ≥2 Punkte [3]

Bei (vermuteter) Sepsis sollte der SOFA-Score alle 24 h bestimmt werden, wobei der jeweils schlechteste Wert in die Berechnung eingeht!

Ein SOFA-Score ≥2 Punkte entspricht bei auf Normalstation behandelten Personen mit Infektion einem Mortalitätsrisiko von >10%! [1]

Fokus- und Erregersuchetoggle arrow icon

Basismaßnahmen

Zur Fokus- und Erregersuche sollten immer eine Anamnese und körperliche Untersuchung sowie eine Blutkulturdiagnostik erfolgen! Die weitere Diagnostik richtet sich dann nach den daraus gewonnenen Hinweisen!

Anamnese und körperliche Untersuchung

Klinische Fokussuche anhand von Anamnese und körperlicher Untersuchung
Infektfokus Typische Befunde
Atemwege/Lunge
Gastrointestinaltrakt
Urogenitaltrakt
Haut und Weichgewebe
Knochen und Gelenke
Herz(klappen)
ZNS
Kopf-/Halsbereich

Blutkulturdiagnostik [1]

Bei systemischen Entzündungszeichen und Nachweis einer Blutstrominfektion liefert der in der Blutkultur nachgewiesene Erreger einen entscheidenden Hinweis auf den Infektfokus!

Diagnostik bei katheterassoziierter Sepsis [17]

  • Blutkulturdiagnostik
    • Zusätzlich zu peripheren Blutkulturen: Blutkulturpaare aus allen zentralen Venenkathetern sichern!
    • Bestimmung der DTP: Gleichzeitige Bebrütung zentraler und peripherer Blutkulturpaare
      • Positive DTP: 2–3 h früherer Nachweis des Erregers zentral spricht für ZVK als Fokus
    • Plausibilitätsprüfung: ZVK-Infektion gilt zusätzlich als erwiesen bei
      • Demselben Erreger mit ggf. demselben Resistenzmuster an mikrobiologisch untersuchter Katheterspitze
      • Quantitativer Ratio des Keimnachweises zentral zu peripher >5:1
  • Kultur der Katheterspitze: Bei V.a. katheterassoziierte Infektion immer durchführen
  • Bildgebende Verfahren: Bspw. Sonografie oder CT zum Nachweis/Ausschluss einer septischen Thrombose bzw. Embolie [18]

Um eine sichere diagnostische Aussage bzgl. der DTP zu ermöglichen, müssen die eingesendeten Blutkulturpaare eindeutig mit Ort und Zeit der Entnahme gekennzeichnet sein! Bei positiver DTP sind alle intravasalen Katheter zu entfernen!

Erweiterte Maßnahmen je nach (vermutetem) Fokus [19]

Fokussuche anhand von mikrobiologischer Diagnostik und Bildgebung
Infektfokus Beispielhafte Erkrankungen

Mikrobiologische Diagnostik (zusätzlich zu Blutkulturen)

Ggf. Bildgebung

Atemwege/Lunge

Gastrointestinaltrakt

  • Stuhl
  • Bei einliegender Drainage: Drainagesekret

Urogenitaltrakt

  • Urin
  • Implantierte Urinkatheter (bspw. Doppel-J-Katheter) ggf. wechseln und einschicken

Haut und Weichgewebe

  • Oberflächliche/tiefe Abstriche offener Wunden

Knochen und Gelenke

  • Gelenkpunktat

Herz(klappen)

ZNS

Kopf-/Halsbereich

  • Ggf. Abstrich

Bei Sepsis bzw. septischem Schock sollte Material aus allen Bereichen untersucht werden, die als Fokus in Betracht kommen (bspw. Drainagesekret, Urin, Trachealsekret)!

Der Beginn der antibiotischen Therapie darf durch die Gewinnung des Probenmaterials nicht wesentlich verzögert werden! [1]

Weitere Labordiagnostiktoggle arrow icon

Die Labordiagnostik dient der Einschätzung der Infektionsschwere, zur Evaluation möglicher Organdysfunktionen (u.a. Gerinnung, Nierenfunktion) und zur Verlaufsbeurteilung.

Sepsis-Parameter - Übersicht
Parameter Fragestellung Bewertung
Procalcitonin (PCT)
CRP
  • Universell als Labordiagnostik verfügbar, jedoch weniger spezifisch und sensitiv als das PCT

Blutbild

Lactat

  • Marker des (septischen) Schocks
    • >2 mmol/L
BGA

Leberparameter (Transaminasen, GGT, AP, Bilirubin, INR)

  • AST (GOT) und ALT (GPT) sind Marker der Zellschädigung
  • Bilirubin ist ein Marker der Entgiftungsfunktion
  • Die INR erlaubt die Einschätzung der Lebersyntheseleistung
Nierenparameter (Kreatinin, Harnstoff)
Gerinnungsparameter (Fibrinogen, Antithrombin III, D-Dimere)
  • Insb. postoperativ kann eine DIC insb. in der Folge von Eingriffen an thrombokinasereichen Organen (4P – Pulmo, Prostata, Pankreas und Plazenta) und nach Traumata auftreten

Ausblick: Weitere Sepsismarker

  • Interleukin-6 (IL-6): Insb. in der Neonatologie zunehmend verbreitet, im Vergleich zum PCT schnellerer Anstieg und Abfall (im Minutenbereich), jedoch weniger Spezifität
  • Zurzeit in präklinischer Erforschung
    • HLA-DR-Expression auf Monozyten bzw. lösliches HLA-DR-Antigen: Kann auf eine Dysregulation der Immunantwort hinweisen
    • Methylglyoxal: Kann auf eine Aktivierung proinflammatorischer Zytokinkaskaden hinweisen
    • Lösliches CD14 bzw. lösliches CD64: Wird als früher Sepsismarker erforscht

Procalcitonin gilt als empfindlichster Marker bei Diagnose und Verlaufskontrolle der Sepsis!

Therapietoggle arrow icon

Checkliste Sepsis: 1-Hour-Bundle [13][20]

Sepsis und septischer Schock erfordern eine sofortige Behandlung inkl. unverzüglicher hämodynamischer Stabilisierung! [1]

Für das Überleben ist die adäquate Therapie innerhalb der ersten Stunde entscheidend! In vielen Kliniken ist diese entscheidende Therapiephase in Form von Sepsis-Bundles standardisiert!

Behandlungsziele

  • Frühe Festlegung der Behandlungsziele (innerhalb der ersten 72 h)
  • Berücksichtigung von Patientenwillen und Patientenverfügung
  • Gespräch mit Patient:innen, Angehörigen oder anderen Betreuungspersonen über Prognose und Behandlungsziele

Es sollten frühzeitig Wünsche und Vorstellungen bzgl. des weiteren Prozederes (insb. Frage nach Intensivverlegung, Patientenverfügung) erfragt und besprochen werden!

Antiinfektive Therapie

Die antiinfektive Therapie bei Sepsis besteht primär aus einer kalkulierten Antibiotikatherapie! Eine antimykotische bzw. antivirale Therapie kann bei entsprechendem Infektionsverdacht bzw. -nachweis oder in Hochrisikokonstellationen erwogen werden!

Kalkulierte Antibiotikatherapie bei Sepsis

Bei der Sepsis und beim septischen Schock soll schnellstmöglich eine hochdosierte kalkulierte Antibiotikatherapie begonnen werden! Gleichzeitig muss der Nutzen einer frühzeitigen antibiotischen Behandlung gegen die möglichen Risiken einer unnötigen Antibiotikagabe bei Personen ohne Infektion abgewogen werden (bspw. allergisches Potenzial, Organtoxizität, Clostridioides-difficile-Infektion, Resistenzentwicklung)! [1]

Tarragona-Strategie [21]

  1. „Look at your patient“
  2. „Listen to your hospital“
  3. „Hit hard (and early)“
  4. „Get to the point“
  5. „Focus, focus, focus“

Hämodynamische Stabilisierung

Zur hämodynamischen Stabilisierung wird bei sepsisinduzierter Hypoperfusion und septischem Schock ein initialer Volumenbolus empfohlen! Je nach Bedarf bzw. Ansprechen können im Verlauf eine weitere Volumengabe und/oder eine medikamentöse Kreislaufunterstützung erforderlich sein! Als orientierender Zielwert sollte ein arterieller Mitteldruck ≥65 mmHg angestrebt werden!

Volumentherapie bei Sepsis

Die Volumentherapie bei Sepsis sollte primär mit balancierter Vollelektrolytlösung durchgeführt und anhand dynamischer Parameter gesteuert werden (bspw. Schlagvolumenvariation, Pulsdruckvariation oder Passive Leg Raising Test)!

Nach dem initialen Bolus sollte die Volumentherapie bei Sepsis nur fortgesetzt werden, wenn weiterhin Zeichen einer verminderten Gewebeperfusion vorliegen (bspw. verlängerte Rekapillarisierungszeit)!

Medikamentöse Kreislaufunterstützung bei Sepsis

Um die Zeit bis zur hämodynamischen Stabilisierung möglichst kurz zu halten, kann Noradrenalin initial auch über einen peripheren Venenverweilkatheter gegeben werden!

Fokussanierung [13]

Die chirurgische bzw. interventionelle Fokussanierung stellt eine kausale Therapie dar und sollte bei gegebener Indikation so früh wie möglich durchgeführt werden!

Weitere Therapiemaßnahmen

Weitere Therapiemaßnahmen bei Sepsis bzw. septischem Schock
Therapiemaßnahme Leitlinienempfehlungen
Antimykotische Therapie
Antivirale Therapie
Extrakorporale Membranoxygenierung
Betablocker
Nicht-invasive Atmungsunterstützung
Maschinelle Beatmung
Nierenersatztherapie
  • Unverzüglicher Beginn einer Nierenersatztherapie
    • Empfohlen bei lebensbedrohlichen Störungen des Flüssigkeits-, Säure-Basen- oder Elektrolythaushaltes
    • Möglich bei hoher Wahrscheinlichkeit einer erforderlichen Nierenersatztherapie
  • Kein Vorteil eines bestimmten Verfahrens (Hämodialyse, Hämofiltration und Hämodiafiltration gleichwertig)
  • Kein Vorteil einer bestimmten Form der Antikoagulation (Citrat und Heparin gleichwertig)
  • Bei hämodynamischer Instabilität: Kontinuierliches oder verlängert intermittierendes Verfahren bevorzugen
  • Bei kontinuierlichem Verfahren: Mittlere Dosis von 20–25 mL/kgKG/h über die geplante Behandlungsdauer empfohlen
Ernährungstherapie
Glucocorticoide
Blutprodukte
Intravenöse Immunglobuline
  • Kaum Evidenz für therapeutischen Nutzen vorhanden
  • Gabe von IgG bzw. IgM-angereichertem IgG kann im Einzelfall erwogen werden [22]
Blutreinigung
  • Unselektive Adsorptionsverfahren nicht empfohlen
  • Unklarer Stellenwert von Polymyxin-B-Hämoperfusion und Plasmapherese
Thromboseprophylaxe
Stressulkusprophylaxe
Blutzuckermanagement
Analgosedierung und Delirmanagement
Vitamine
  • Gabe von hochdosiertem Vitamin C nicht empfohlen
Natriumbicarbonat

Kalkulierte Antibiotikatherapie bei Sepsistoggle arrow icon

Bei der Diagnose einer Sepsis ist der Erreger i.d.R. nicht bekannt. Daher ist die kalkulierte Initialtherapie so auszuwählen, dass Erregerspektrum und Resistenzsituationen berücksichtigt werden. Siehe hierzu auch:

Bei lebensbedrohlich erkrankten Personen soll initial immer, insb. bei V.a. Pseudomonas aeruginosa oder hohem Risiko für MRE, eine Kombinationstherapie durchgeführt werden! [13][25]

Unbekannter Fokus [25]

Sepsis - Initialtherapie bei unbekanntem Fokus
Häufigste Erreger Nosokomiale Infektion Ambulant erworbene Infektion

Staphylococcus aureus
Streptococcus spp.

Escherichia coli
Enterococcus spp.
Klebsiella spp.

Pseudomonas spp.

Hinweise

Fokus: Atemwege [25]

Fokus: Harnwege [25]

Sepsis - Initialtherapie bei Fokus Harnwege
Häufigste Erreger Nosokomiale Infektion Ambulant erworbene Infektion

Enterobacterales (insb. Escherichia coli, Proteus mirabilis)
Pseudomonas aeruginosa
Enterococcus spp.
Staphylococcus spp.

Hinweise

Fokus: Darm und gynäkologische Organe [25]

Sepsis - Initialtherapie bei Fokus Darm und gynäkologische Organe
Häufigste Erreger Nosokomiale Infektion Ambulant erworbene Infektion

Enterobacterales
Anaerobier
Enterococcus spp.
Staphylococcus aureus
Pseudomonas aeruginosa

Hinweise

Fokus: Gallenwege [25]

Sepsis - Initialtherapie bei Fokus Gallenwege
Häufigste Erreger Nosokomiale Infektion Ambulant erworbene Infektion

Enterobacterales
Enterococcus spp.
Pseudomonas aeruginosa
Anaerobier

Hinweise

Fokus: Haut und Weichteile [25]

Sepsis - Initialtherapie bei Fokus Haut und Weichteile
Häufigste Erreger Nosokomiale Infektion Ambulant erworbene Infektion

Streptococcus pyogenes
Staphylococcus aureus
Anaerobier
Enterobacterales
Pseudomonas spp.

Hinweise

Fokus: Intravasale Fremdkörper [25]

Sepsis - Initialtherapie bei Kathetersepsis
Häufigste Erreger Nosokomiale Infektion Ambulant erworbene Infektion

Koagulasenegative Staphylokokken
Staphylococcus aureus
Corynebacterium jeikeium

Propionibacterium spp.
Gramnegative Stäbchenbakterien

Hinweise

AMBOSS-Pflegewissen: Sepsistoggle arrow icon

Früherkennung und Risikofaktoren einer Sepsis

Dieser Abschnitt bezieht sich auf Patient:innen, die sich nicht aufgrund einer Sepsis in stationärer Behandlung befinden, aber Risikofaktoren für die Entwicklung einer Sepsis aufweisen. Um eine Sepsis zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen, empfiehlt es sich, auch bei Nicht-Sepsis-Patient:innen auf Frühwarnzeichen zu achten.

  • Regelmäßig Einstichstellen und Wunden inspizieren: Bei lokalen Entzündungszeichen
    • Ggf. vermehrt aseptische Verbandswechsel
    • Ggf. ärztliches Personal informieren und Wechsel bzw. Entfernen der Zu- bzw. Ableitungen
  • Risikopatient:innen engmaschig überwachen: Insb.
  • Bei Fieber
    • Blutkulturen abnehmen (lassen) , Antibiotikatherapie und fiebersenkende Maßnahmen
    • Nach ärztlicher Rücksprache Zugänge wechseln und ggf. Spitzen zur mikrobiologischen Überprüfung einschicken
  • qSOFA-Score beurteilen

Bei jeglichem Verdacht auf eine Sepsis ist umgehend der ärztliche Dienst zu informieren!

Pflege bei Sepsis-Patient:innen

Beobachten/Überwachen

Ein rascher Abfall des Blutdrucks mit Anstieg der Herzfrequenz ist ein Hinweis auf einen beginnenden septischen Schock. Es handelt sich dabei um eine absolute Notfallsituation, weshalb das ärztliche Personal sofort informiert werden muss!

Medikamentöse Therapie

Heidelberger Sepsis Pathway nach dem FAKTEN-Schema
Akronym Bedeutung Durchzuführende Maßnahmen
F Fokus
  • Ursache der Sepsis suchen
    • Mögliche Infektionsquellen: Zu- und Ableitungen inspizieren, infizierte Wunden, Peritonitiszeichen
    • Erkrankungen: Bspw. Pneumonie, Harnwegsinfekt
  • Essenzielle Diagnostik durchführen
A Antibiotikum
  • Beginn mit Breitbandantibiotikum innerhalb der 1. Stunde nach Diagnosestellung
K Katecholamine
T Therapiebeginn
E Evaluation
  • Reevaluation der wichtigsten Laborparameter
N Notwendigkeiten
  • Festlegung notwendiger Maßnahmen und Therapieschritte
Die ersten 4 Buchstaben beziehen sich auf die ersten 1–2 Stunden nach Diagnosestellung der Sepsis, die letzten 2 Buchstaben auf den Verlauf innerhalb der ersten 6 Stunden.

Hygiene

  • Strikte Einhaltung hygienischer Regeln und Standards
  • Isolation: Je nach Erregernachweis kann eine Isolation in einem Einzelzimmer notwendig sein
  • Fokussanierung

Mobilisation/Bewegung

  • Mobilisation: Strikte Bettruhe, Belastungen vermeiden
  • Positionierung: Ggf. erhöhte Positionierung der Extremitäten bei Ödemen

Prophylaxen

Körperpflege

Ernährung

Spezielle Kommunikation

  • Ausnahmesituation/Notfallsituation: Offene, ehrliche und behutsame Kommunikation mit den Patient:innen und Angehörigen
  • Psychische Belastung: Ggf. kann eine psychologische Unterstützung/Nachbetreuung notwendig sein

Beratung und Prävention

Die Beratung und Prävention zielt einerseits darauf ab, die für die Entstehung einer Sepsis häufigsten Infektionen und Ursachen zu vermeiden. Dazu zählen bspw. Pneumonien, Urozystitiden, katheterassoziierte Infektionen und infizierte Wunden/Abszesse. Bei bereits bestehender Sepsis dienen diese Maßnahmen der Verhinderung zusätzlicher Infektionen und damit einer zusätzlichen Belastung des Immunsystems.

Komplikationentoggle arrow icon

Akute Komplikationen

Disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC)

Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) [1]

Im Entlassbrief soll auf die mögliche Entwicklung sowie Anzeichen eines PICS hingewiesen werden! [1]

Critical-Illness-Polyneuropathie (CIP)

  • Definition: Häufige Erkrankung ungeklärter Ursache bei beatmeten Intensivpatient:innen (bspw. mit Sepsis oder Multiorganversagen), bei der es zu einer axonalen Schädigung vorwiegend motorischer Neuronen kommt
  • Symptomatik
    • Distal betonte, symmetrische Muskelschwäche der Extremitäten bis hin zur ausgeprägten Tetraparese
    • Zwerchfell in schweren Fällen ggf. mitbetroffen (zeigt sich klinisch in einer verlängerten Entwöhnung von der Beatmung)
    • Strumpf- bzw. handschuhförmige Sensibilitätsstörungen möglich
  • Diagnostik
  • Therapie
    • Keine spezifische Therapie neben der adäquaten Sepsistherapie bekannt, i.d.R. langsame Spontanremission
    • Wichtig sind unterstützende Maßnahmen (bspw. Ernährungsoptimierung, Frühmobilisation, Weaning)

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognosetoggle arrow icon

Mortalität stationärer Sepsisfälle in Deutschland (2017–2019) [30]
Entität Krankenhausmortalität 30-Tage-Mortalität 90-Tage-Mortalität Kumulative Mortalität
Sepsis Ohne MRE 32,5% 6,3% 11,6% 44,1%
Mit MRE 34,6% 7,0% 12,3% 46,9%
Septischer Schock 59,0% 4,6% 7,6% 66,6%

Präventiontoggle arrow icon

Primäre Prävention

Sekundäre Prävention

Tertiäre Prävention

  • Antibiotic Stewardship (ABS) bzw. Antimicrobial Stewardship (AMS): Rationaler und verant­wor­tungs­voller Einsatz von Antiinfektiva im Krankenhaus
  • Informieren von Betroffenen und Angehörigen über Selbsthilfegruppen sowie mögliche Langzeitfolgen

Studientelegramme zum Thematoggle arrow icon

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AMBOSS-Podcast zum Thematoggle arrow icon

Sepsis: Neue Leitlinie, neue Pflichtfortbildung (Februar 2026)

Blutstrominfektionen: Früh erkennen, gezielt behandeln (August 2024)

Sepsis: Früherkennung rettet Leben (Mai 2023)

Könnte es eine Sepsis sein? (Januar 2020)

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Meditrickstoggle arrow icon

In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.

Immun-Saga – Episode 33: Sepsis (Teil 1: Pathophysiologie)

Immun-Saga – Episode 34: Sepsis (Teil 2: Klinik)

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Sepsis

Septischer Schock

SIRS

Kodierung von Organkomplikationen

G62.-: Sonstige Polyneuropathien

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

SOP (Standard Operating Procedure)toggle arrow icon

In den Ergänzungen dieser Sektion können individuelle SOPs eingefügt werden. Diese Sektion ist über die AMBOSS-Suchfunktion mittels dem Begriff „SOP Sepsis“ unmittelbar auffind- und ansteuerbar.

Quellentoggle arrow icon

  1. S3-Leitlinie Sepsis - Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge.Stand: 30. April 2025. Abgerufen am: 24. September 2025.
  2. Sepsisdefinition und -kodierung 2020.. Abgerufen am: 12. Januar 2023.
  3. Singer et al.:The Third International Consensus Definitions for Sepsis and Septic Shock (Sepsis-3)In: JAMA: The Journal of the American Medical Association. Band: 315, Nummer: 8, 2016, doi: 10.1001/jama.2016.0287 . | Open in Read by QxMD p. 801-810.
  4. Hagel et al.:Bakteriämie und SepsisIn: Der Internist. Band: 54, Nummer: 4, 2013, doi: 10.1007/s00108-012-3185-4 . | Open in Read by QxMD p. 399-407.
  5. Kimmig et al.:Management of Staphylococcus aureus Bloodstream InfectionsIn: Frontiers in Medicine. Band: 7, 2021, doi: 10.3389/fmed.2020.616524 . | Open in Read by QxMD.
  6. Daneman N et al.:Antibiotic Treatment for 7 versus 14 Days in Patients with Bloodstream InfectionsIn: New England Journal of Medicine. Band: 392, Nummer: 11, 2024, doi: 10.1056/nejmoa2404991 . | Open in Read by QxMD p. 1065-1078.
  7. Herold et al.: Innere Medizin 2026. Dr. med. Gerd Herold 2025, ISBN: 978-3-982-11665-5.
  8. SepNet Critical Care Trials Group:Incidence of severe sepsis and septic shock in German intensive care units: the prospective, multicentre INSEP studyIn: Intensive Care Medicine. Band: 42, Nummer: 12, 2016, doi: 10.1007/s00134-016-4504-3 . | Open in Read by QxMD p. 1980-1989.
  9. Dolin et al.:Characterization of Pathogenic Sepsis Etiologies and Patient Profiles: A Novel Approach to Triage and TreatmentIn: Microbiology Insights. Band: 12, 2019, doi: 10.1177/1178636118825081 . | Open in Read by QxMD.
  10. Levy et al.:The Surviving Sepsis Campaign Bundle: 2018 updateIn: Critical Care Medicine. Band: 46, Nummer: 6, 2018, doi: 10.1097/ccm.0000000000003119 . | Open in Read by QxMD p. 997-1000.
  11. Evans et al.:Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines for Management of Sepsis and Septic Shock 2021In: Critical Care Medicine. Band: 49, Nummer: 11, 2021, doi: 10.1097/ccm.0000000000005337 . | Open in Read by QxMD p. e1063-e1143.
  12. Engelmann, Schmitt:„Tarragona-Strategie“ – adäquate Antibiotikatherapie auf der IntensivstationIn: Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin. Band: 109, Nummer: 3, 2014, doi: 10.1007/s00063-013-0310-7 . | Open in Read by QxMD p. 156-161.
  13. Sakka:Sepsis bei einer Patientin mit Autoimmunerkrankung und immunsup­pressiver Therapie – Einsatz eines polyvalenten IgGAM-PräparatesIn: Sakka SG: Sepsis bei einer Patientin mit Autoimmunerkrankung und immunsup­pressiver Therapie – Einsatz eines polyvalenten IgGAM-Präparates. Nummer: 2-2021, 2021, doi: 10.19224/ai2021.082 . | Open in Read by QxMD p. 082-085.
  14. S3-Leitlinie Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin.Stand: 11. August 2021. Abgerufen am: 12. August 2021.
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