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Elektroneurografie

Letzte Aktualisierung: 30.4.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Neurografie ist ein elektrophysiologisches Untersuchungsverfahren, mit dem die elektrische Leitfähigkeit peripherer Nerven gemessen werden kann. Die Weiterleitung elektrischer Energie in Form von Aktionspotenzialen entlang der meist myelinisierten Nervenfasern (Axone) wird dabei künstlich mittels elektrischer Stimulation eines oberflächlich verlaufenden peripheren Nerven durch die Haut induziert. Die so induzierten Aktionspotenziale erzeugen Potenzialdifferenzen, die dann an einem oder mehreren vom Stimulationsort entfernten Punkten im Nervenverlauf oder von einem innervierten Muskel abgeleitet werden. Die elektrische Leitfähigkeit des Nerven lässt sich anhand mehrerer physikalisch messbarer Parameter beschreiben, u.a. anhand der Nervenleitgeschwindigkeit (Geschwindigkeit der Weiterleitung elektrischer Impulse). Diese nimmt proportional mit dem Durchmesser der Nervenfaser sowie der Dicke der Myelinschicht zu. Daneben lässt sich ein indirektes Maß für die Anzahl der erregbaren Nervenfasern bestimmen: Je höher die von außen eingebrachte Reizstärke, desto mehr Axone im Nerven werden erregt. Je mehr Axone erregbar sind, desto höher ist die Summe ihrer Antwortpotenziale (Summenaktionspotenzial), welche über die Ableitelektroden erfasst werden kann. Verminderungen der Leitfähigkeit können auf verschiedene Erkrankungen oder Verletzungen peripherer Nerven hinweisen und treten in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Insb. bei der Unterscheidung zwischen einer Schädigung der Axone und einer Schädigung der umhüllenden Myelinschicht sowie zur Lokalisierung der Schädigung im Nervenverlauf ist die Neurografie das diagnostische Werkzeug der Wahl.

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Übersichttoggle arrow icon

Anatomie peripherer Nerven

Jede motorische Faser, d.h. jedes Axon eines 2. Motoneurons im Vorderhorn des Rückenmarks, innerviert an ihrem distalen Ende eine bestimmte Anzahl von Muskelfasern. Diese gedachte Einheit aus Motoneuron mit motorischem Axon (Nervenfaser) und den davon über motorische Endplatten innervierten Muskelfasern wird motorische Einheit genannt!

Klinische Bedeutung der Elektroneurografie

  • Definition: Funktionsprüfung eines peripheren Nerven anhand dessen elektrischer Leitfähigkeit
  • Ziele [1]
    • Lokalisation einer Störung identifizieren
      • Nervenwurzel, Plexus, peripherer Nerv (proximal oder distal)
      • Verteilungsmuster: Monoradikulopathie, Polyradikulopathie, Plexopathie, Mononeuropathie, Polyneuropathie (symmetrisch oder asymmetrisch); langstreckige oder fokale Nervenschädigung
    • Betroffene Qualitäten identifizieren: Motorisch, sensibel, evtl. autonom
    • Art der Schädigung identifizieren
    • Dynamik einer Störung bzw. ihrer Erholung im zeitlichen Verlauf beurteilen
      • Langsame und oft nur inkomplette Erholung einer axonalen Schädigung [1]
      • Meist schnellere und bestenfalls komplette Erholung einer demyelinisierenden Schädigung
  • Indikation: Klinischer Funktionsausfall eines oder mehrerer peripherer Nerven (Lähmung, umschriebene Sensibilitätsstörung), bspw.

Die leitenden Nervenfasern sind lange, durchgehende Strukturen, die von potenziell weit entfernten Zellkörpern im Rückenmark bzw. den Spinalganglien ausgehen. Werden sie an einer Stelle zerstört bzw. gehen sie verloren, führt dies im Verlauf zu anhaltendem Funktionsverlust der gesamten Faser!

Die Myelinschicht um die Nervenfasern wird von vielen Zellen entlang der Fasern gebildet. Deren Verlust bzw. Schädigung führt nicht notwendigerweise zu einem Funktionsverlust der Faser, wohl aber zu einer Funktionsstörung. Diese ist potenziell reversibel, da Myelin regeneriert werden kann!

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Physiologische Grundlagentoggle arrow icon

Elektrophysiologische Grundlagen

Technische Grundlagen

  • Elektrische Reizung eines Nerven
    • Stimulation: Zuführung eines elektrischen Impulses von extern über Hautelektrode → Spannungsänderung an der Nervenmembran → Generierung eines Aktionspotenzials → Saltatorische Weiterleitung des Aktionspotenzials
    • Voraussetzungen
      • Nervenverlauf möglichst nah unter Haut
      • Korrekte Positionierung der Stimulationselektrode: Kathode über Nerv
      • Ausreichende Stromstärke (in mA)
      • Ausreichende Reizdauer (syn. Reizbreite, in ms)
      • Ausreichende Spannung (in Volt [V])
    • Einzelstimulation: Manuell ausgelöste einzelne Reizung
    • Serienstimulation: Wiederholte Reizung in bestimmter fester Frequenz
  • Supramaximale Stimulation: Stärke des Reizstroms, bei der möglichst alle intakten Nervenfasern eines Nerven stimuliert werden
  • Ableitung eines Potenzials: Detektion eines Antwortpotenzials nach künstlicher Stimulation als Spannungsänderung über Nerven- oder Muskelzellmembran mittels Hautelektrode
    • Ableitelektrode (A): Kathode, über Nerv bzw. Muskel platziert
    • Referenzelektrode (R): Anode, über elektrisch inaktivem Gewebe
  • Technische Verarbeitung des Antwortsignals: Verstärkung, Filtern und Averaging des Biosignals [2]
    • Bildschirmdarstellung des Biosignals in Rastereinheiten: 1 Rastereinheit = 1 Division (Div)
      • X-Achse: Zeit in ms/Div
      • Y-Achse: Höhe der Amplitude in mV/Div (bzw. μV/Div)
    • Verstärkung: Verstärkt das eingehende Biosignal, um es darstellbar zu machen
    • Filterung: Filtert Störfrequenzen aus dem abgeleiteten Signal heraus, um das gewünschte Biosignal zu isolieren
    • Averaging: Extrahiert sehr kleine Biosignale aus Störfrequenzen durch Mittelwertbildung über mehrere Ableitungen

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Parameter zur Beurteilung der Nervenleitfähigkeittoggle arrow icon

Antwortpotenziale

Messgrößen und berechnete Werte

  • Amplitude des Antwortpotenzials: Annäherndes Maß für die Anzahl erregter Nerven- bzw. Muskelfasern (in Millivolt [mV] bzw. Mikrovolt [μV])
    • Baseline-Peak-Amplitude: Zwischen Grundlinie und max. negativen Ausschlag
    • Peak-to-Peak-Amplitude: Zwischen max. positivem und max. negativem Ausschlag
    • Area under the Curve (AUC): Fläche zwischen Potenzialkurve (Summenpotenzial) und Nulllinie
  • Konfiguration des Antwortpotenzials
    • Anzahl der Phasen : Bspw. biphasisch (normales MSAP) oder triphasisch (normales SNAP)
    • Chronodispersion: Aufsplitterung des Antwortpotenzials
  • F-Wellen-Persistenz: Anzahl registrierter F-Wellen im Verhältnis zur Anzahl der Stimulationen (in %)
  • Latenz: Zeit zwischen Stimulus und Beginn des Antwortpotenzials (in Millisekunden [ms])
    • Sensible Überleitzeit: Zeit zwischen einer sensiblen Reizung und dem Beginn des SNAP
    • Motorische Überleitzeit: Zeit zwischen einer motorischen Reizung und der M-Antwort
      • Distal-motorische Latenz (DML): Zeit zwischen distaler motorischer Reizung in definiertem Abstand zur Ableitelektrode und der M-Antwort
      • F-Wellen-Latenz: Latenz zwischen Stimulus und Beginn der F-Welle
  • Distanz: Abstand zwischen Stimulationsort und Ableitelektrode (in [cm])
  • Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Geschwindigkeit der elektrischen Leitung in einem Nervenabschnitt (in Meter/Sekunde [m/s])
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Untersuchungstechniken der Elektroneurografietoggle arrow icon

Motorische Neurografie

Inching

F-Wellen-Untersuchung

Sensible Neurografie

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Ablauf/Durchführungtoggle arrow icon

Eine neurografische Untersuchung lässt sich nur schwer standardisieren und erfordert eine flexible Planung und ggf. Planänderungen auch während der Untersuchung, immer abhängig von der klinischen Hypothese und den Ergebnissen der gerade vorangegangenen Untersuchungsschritte.

Vorbereitung

  • Aufklärung
  • Orientierende Untersuchung, Bestimmung der zu untersuchenden Nerven
  • Temperaturmessung (wenn <32 °C → Wärmen)
  • Bequeme Lagerung der untersuchten Person
  • Einstellung des Gerätes
  • Reinigung der Haut
  • Anbringung der Elektroden
    • Stimulationselektrode: Über zu stimulierendem Nerven
    • Ableitelektrode: Über Muskel bzw. Nerv
    • Referenzelektrode: Distal der Ableitelektrode in nicht-stimuliertem Hautareal
    • Erdung: Zwischen Stimulations- und Ableitelektrode

Motorische Neurografie - Ablauf [1][3]

  1. Anbringen der Elektroden: Nach „Belly-tendon-Technik
    • Ableitelektroden über Muskelbauch („belly“) anbringen
    • Referenzelektrode in normiertem Abstand zu Ableitelektrode über Sehne/Knochen („tendon“) anbringen
  2. Gerät einstellen
    • Filter: 5 Hz–20 kHz
    • Verstärkung: Je nach Größe des MAP 1–10 mV/Div
    • Zeitachse: 2–5 ms/Div
  3. Supramaximale distale Stimulation des motorischen Nerven in definiertem Abstand zur Ableitelektrode (siehe: Normwerte der motorischen Neurografie)
    • Optimale distale Stimulationsstelle aufsuchen (mit niedriger Stimulationsintensität, Beginn bei 8–10 mA)
    • Nach Auffinden der optimalen Stelle: Stimulationsintensität steigern (in Schritten von je 3–5 mA), bis die Amplitude des Antwortpotenzials nicht weiter ansteigt (Schwellenwert)
    • Stimulationsintensität um weitere 10–20% des Schwellenwertes für supramaximale Stimulation erhöhen
  4. Latenz des Muskelsummenaktionspotenzials (MSAP, M-Antwort) und seine Amplitude aus Ableitung nach distaler Stimulation bestimmen (= distal-motorische Latenz)
  5. Supramaximale proximale Stimulation desselben motorischen Nerven
  6. Individuellen Abstand zwischen proximalem und distalem Stimulationsort messen
  7. Latenz des Muskelsummenaktionspotenzials (MSAP, M-Antwort) und seine Amplitude aus Ableitung nach proximaler Stimulation bestimmen
  8. Berechnung der motorischen Nervenleitgeschwindigkeit: Abstand zwischen den Stimulationsorten in Bezug zur Latenzdifferenz (proximale Latenz abzüglich der distal-motorischen Latenz)
  9. Beurteilung: Distal-motorische Latenz, motorische Nervenleitgeschwindigkeit sowie Konfiguration und Amplitude des Muskelsummenaktionspotenzials im Vergleich zu Normwerten und im Seitenvergleich

Für Details zur Durchführung der Neurografie an einzelnen Nerven siehe auch: Neurografie einzelner Nerven

Inching - Ablauf [1][2]

  • Stimulation eines Nerven wie bei motorischer (oder seltener sensibler) Neurografie
  • Nervenabschnitt mit vermuteter Schädigung wird mehrmals in Abständen von ca. 2 cm stimuliert von distal bis proximal des vermuteten Schädigungsortes

F-Wellen-Untersuchung - Ablauf [1]

Sensible Neurografie - Ablauf [1][4]

  1. Anbringen der Elektroden
    • Antidrome Stimulation → : Stimulation des Nerven proximal, Ableitung über Haut des sensiblen Versorgungsgebietes distal des Stimulationsortes
    • Orthodrome Stimulation ← : Haut im sensiblen Innervationsgebiet wird stimuliert, SNAP wird über dem Nerven proximal des Stimulationsortes abgeleitet
  2. Einstellung des Gerätes: Insb. Filter und Averaging
    • Filter: 300 Hz–3 kHz
    • Verstärkung: Je nach Amplitude des SNAP 1–10 μV/Div, Averaging (Mittelung)
    • Zeitachse: 1–2 ms/Div
  3. Supramaximale Stimulation des Nerven an mind. einer Stelle
    • Serienstimulation
    • Optimale Stimulationsstelle aufsuchen, Stimulation mit 0 mA beginnen, langsam steigern bis das Antwortpotenzial nicht weiter ansteigt (Schwellenwert)
  4. Latenz des sensiblen Nervenaktionspotenzials (SNAP) und seine Amplitude bestimmen
  5. Individuellen Abstand zwischen Stimulations- und Ableitort messen
  6. Berechnung der sensiblen Nervenleitgeschwindigkeit (sNLG): Abstand zwischen Stimulationsorten in Bezug zur Latenz
  7. Beurteilung: Sensible Nervenleitgeschwindigkeit sowie Konfiguration und Amplitude des sensiblen Nervenaktionspotenzials im Vergleich zu Normwerten und im Seitenvergleich

Mögliche Störsignale

  • Technische Ursachen (technische Defekte, externe Störsignale)
  • Fehlerhafte Durchführung (bspw. Positionierung der Elektroden, Geräteeinstellung)
Mögliche Störsignale und Fehlerquellen bei der Neurografie [2][3]
Störung Mögliche Ursache Abhilfe
„Brummen“ mit 50 Hz
  • Erdung defekt
  • Elektrodenkabel oder Übergangswiderstände defekt
  • Störsignale aus Umgebung
  • Erdung prüfen
  • Kürzere Kabel verwenden, verdrehen oder abschirmen
  • Elektrische Geräte in der Nähe ausschalten
Störung mit hoher Amplitude
  • Defekte Kabelkontakte
  • Kabel wechseln
  • Elektrode wechseln

Keine Stimulation

  • Stimulatorkabelkontakt gestört
  • Kabel überprüfen
  • Anfeuchten der Stimulationselektrode

Kein Potenzial ableitbar

  • Gestörter Kabelkontakt
  • Verstärkung falsch eingestellt
  • Zeitfenster falsch eingestellt
  • Kabel überprüfen
  • Verstärker prüfen (Eingang offen?)
  • Verstärkung anpassen
  • Zeitfenster anpassen
Signal übersteuert
  • Ggf. falsche Verstärkung
  • Verstärkung anpassen
SNAP stark vergrößert
  • Muskelartefakt (insb. bei antidromer Stimulation)
  • Stimulationsintensität reduzieren
  • Ggf. orthodrome Stimulation
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Neurografie einzelner Nerventoggle arrow icon

Neurografie von Armnerven

Neurografie von Beinnerven

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Interpretation/Befundtoggle arrow icon

Grundprinzipien der Befundung

Normalbefunde

Pathologische Befunde

Axonale Neuropathie

  • Komplette axonale Läsion: Leitungsunterbrechung aller Axone (Axonotmesis oder Neuronotmesis, bspw. Durchtrennung des Nerven)
  • Inkomplette axonale Schädigung: Leitungsunterbrechung einzelner Axone (inkomplette axonale Läsion, bspw. bei diabetischer PNP)
    • Motorische Neurografie
      • MSAP mit reduzierter Amplitude (an allen Stimulationsorten)
      • DML meist normal
      • mNLG meist normal, ggf. etwas verlangsamt (bis 80% des unteren Referenzwertes)
    • F-Wellen
      • Latenz und Persistenz meist normal
      • Bei inkompletter Läsion mit niedriger MSAP-Amplitude <1 mV sind keine F-Wellen erhältlich
    • Sensible Neurografie
      • SNAP mit reduzierter Amplitude
      • sNLG meist normal, ggf. etwas verlangsamt (bis 80% des unteren Referenzwertes)
  • Reinnervation nach fokaler axonaler Läsion: Aussprossen neuer Axone vom Schädigungsort nach distal, Myelinisierung proximal >distal
    • Motorische Neurografie
      • MSAP mit erniedrigter Amplitude, je distaler die Schädigungsstelle, desto kleiner , ggf. aufgesplittert
      • F-Welle mit normaler Latenz und Persistenz, sofern erhältlich
      • mNLG in frühen Reinnervationsstadien verlangsamt
    • Sensible Neurografie
      • SNAP später erhältlich als MSAP; mit reduzierter Amplitude, wenn erhältlich
      • sNLG in frühen Reinnervationsstadien deutlich verlangsamt

Bei langstreckiger chronischer axonaler Schädigung (bspw. axonaler Polyneuropathie) finden axonale Schädigung und Regeneration simultan statt. Es zeigt sich weitgehend das Bild einer inkompletten axonalen Schädigung!

Demyelinisierende Neuropathie

Eine sichere Unterscheidung zwischen Leitungsblock und axonaler Läsion ist mittels Neurografie erst nach 5–10 Tagen möglich. Vorher kann eine axonale Läsion in der Neurografie wie ein Leitungsblock imponieren. Erst nach abgeschlossener Wallerscher Degeneration fällt das Signal über die komplette Axonlänge aus!

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Elektroneurografie Normwerttabellentoggle arrow icon

  • Normwerte unterscheiden sich je nach Gerät, Einstellung und evtl. Störsignalen in der Umgebung
  • Abweichungen von Normwerten nur pathologisch, wenn klinisch plausibel
  • Mit zunehmendem Alter häufig deutliche Abnahme der Amplitude
  • Normwerte hier im Kapitel beispielhaft, jedoch nicht universal

Normwerte der motorischen Neurografie

Normwerte für die motorische Neurografie der Arm- und Schulternerven [1]
Nerv Abgeleiteter Muskel Distanz für DML DML Amplitude mNLG
N. axillaris 14–20 cm ≤5 ms ≥10 mV n.b.1
N. accessorius ≤4 ms [2] n.b.1
N. medianus 7 cm ≤4,2 ms ≥8 mV

Unterarm (S2–S1): ≥48 m/s

Proximal (S3–S2): ≥55 m/s
N. ulnaris 7 cm ≤3,5 ms ≥8 mV Unterarm (S2–S1): ≥50 m/s
Proximal (S3–S2): ≥55 m/s
N. radialis 6–10 cm ≤3,4 ms ≥8 mV ≥50 m/s
1 nicht bestimmbar
Normwerte für die motorische Neurografie der Beinnerven [1]
Nerv Abgeleiteter Muskel Distanz S1-Ableitelektrode DML Amplitude mNLG
N. femoralis 16 cm ≤5,6 ms ≥4 mV n.b.1
N. peroneus 8 cm ≤5,6 ms ≥5 mV ≥42 m/s
N. tibialis 8–10 cm ≤6 ms ≥8 mV ≥40 m/s
1 nicht bestimmbar
Normwerte für die motorische Neurografie des N. facialis [1]

Nerv

Abgeleiteter Muskel Distanz S1-Ableitelektrode DML Amplitude mNLG
N. facialis communis 5–7 cm ≤4,1 ms n.b.1 n.b.1
1 nicht bestimmbar

Normwerte der F-Wellen- und H-Reflex-Untersuchung

Normwerte für die F-Wellen-Untersuchung [1]
F-Wellen-Latenz (kleinste gemessene) Maximale Seitendifferenz der Latenz Persistenz (bei mind. 10 Stimuli) Chronodispersion
N. medianus ≤31 ms 2,5 ms 60% 13,2 ms
N. ulnaris ≤30 ms 2,5 ms 55% 10,8 ms
N. peroneus ≤53 ms 4,2 ms 60% 15,8 ms
N. tibialis ≤58 mV 4,5 ms 80% 19,5 ms
Normwerte für die H-Reflex-Untersuchung [1]
Muskel Latenz (kleinste gemessene) Maximale Seitendifferenz der Latenz
M. soleus ≤30 ms ≤1,2 ms
M. flexor carpi radialis <19 ms ≤1,0 ms

Normwerte der sensiblen Neurografie

Normwerte für die sensible Neurografie der Arm- und Schulternerven [1][3]
Nerv Amplitude sNLG
N. radialis ≥16 μV ≥55 m/s
N. medianus ≥12 μV ≥45 m/s
N. ulnaris

≥15 μV, geringere Werte ≥50% der Medianus-Amplitude tolerierbar

≥50 m/s
Normwerte für die sensible Neurografie der Beinnerven [1]
Nerv Amplitude sNLG
N. cutaneus femoris lateralis ≥4 μV ≥43 m/s
N. saphenus ≥12 μV ≥46 m/s
N. peroneus superficialis ≥10 μV ≥40 m/s
N. suralis ≥10 μV ≥42 m/s

Die Normwerte für die antidrome und die orthodrome Stimulation/Ableitung können voneinander abweichen!

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Spezielle Untersuchungstechniken der Elektroneurografietoggle arrow icon

Elektroneurografische Prüfung des H-Reflexes (Hoffmann-Reflex)

Dekrementtest und Inkrementtest (Repetitive Stimulation)

Elektroneurografische Untersuchung der Hirnstammreflexe

  • Ziel: Neurografische Funktionsprüfung verschiedener Hirnstammreflexbögen mit dem Ziel der Beurteilung peripherer Hirnnerven und ihrer Kerne im Hirnstamm
  • Prinzip: Stimulation eines afferenten Hirnnerven, Ableitung der motorischen Antwort der reflektorisch innervierten Muskulatur
  • Indikation
  • Interpretation: Insb. bei V.a. Läsion(en) im Hirnstamm über die Zusammenschau von elektroneurografischen Untersuchungen verschiedener Hirnstammreflexe
    • Zuordnung als afferente oder efferente Störung oder Störung der zentralen Verschaltung anhand der Befundkonstellation
    • Zentrale Läsion wahrscheinlich bei pathologischen Befunden in elektroneurografischen Untersuchungen verschiedener Hirnstammreflexe

Elektroneurografische Untersuchung des Blinkreflexes

  • Definition: Neurografische Funktionsprüfung des trigemino-fazialen Lidschlussreflexes
  • Reflexbogen
  • Indikation: V.a. Schädigung des 1. Trigeminusastes, des N. facialis, des pontomedullären Hirnstamms (z.B. Unterscheidung zwischen Fazialisparese und zentraler fazialer Parese)
  • Durchführung
    • Einseitige Stimulation und beidseitige Ableitung
    • Mind. 5 supramaximale Stimulationen (Beginn mit 3 mA, schrittweise steigern) am Foramen supraorbitale beidseits (nacheinander)
    • Ableitung des MSAP vom M. orbicularis oculi unterhalb der Unterlider beidseits mittels Hautelektrode; Referenzelektrode am Nasenrücken
    • Erdelektrode auf Stirn oder Handrücken
    • Geräteeinstellung
      • Verstärkung: 0,1 mV/Div
      • Filter: 300 Hz–2500 Hz
      • Zeitachse: 10 ms/Div
  • Befundung: Abgleich der motorischen Antwortlatenzen mit Normwerten für Obergrenzen und max. Seitendifferenzen
    • R1-Normalbefunde: Normwertige Latenz und Seitendifferenz, habituiert nicht, selten auch kontralateral ableitbar
    • R2-Normalbefunde: Beidseits normwertige Latenz, Seitendifferenz unterhalb des Grenzwertes, habituiert
    • Interpretation pathologischer Befunde, bspw.
      • Einseitige Schädigung des N. trigeminus: Verlängerte oder ausgefallene R1 sowie R2 ipsilateral und kontralateral, Normalbefunde bei kontralateraler Stimulation
      • Einseitige Schädigung des N. facialis: Verlängerte oder ausgefallene R1 sowie R2 ipsilateral , normale R2 kontralateral
      • Einseitige pontine Läsion: Verlängerte oder ausgefallene R1 ipsilateral, normale R2 ipsi- und kontralateral
      • CAVE: Beeinflussbar durch Wachheit bzw. Bewusstsein!
Normwerte der elektrophysiologischen Prüfung des Blinkreflexes [1]
Kurvenelement Latenz Seitendifferenz der Latenz
R1 ≤12,4 ms ≤1,4 ms
RS ipsilateral ≤40 ms ≤4,3ms
RS kontralateral ≤41,5 ms ≤4,9 ms

Elektroneurografische Prüfung des Masseterreflexes

Normwerte der elektrophysiologischen Prüfung des Masseterreflexes [1]

Latenz <40 Jahre

Latenz >40 Jahre

Seitendifferenz der Latenz

Amplitude

Seitendifferenz der Amplitude

≤8,6 ms

≤9,8 ms

≤0,5 ms

0,4–6 mV

<50%

Masseterhemmreflex (MHR)

  • Definition
  • Reflexbogen
  • Indikation: V.a. Schädigung des 2. oder 3. Trigeminusastes oder des pontomedullären Hirnstamms
  • Durchführung: Elektrische Stimulation des N. mentalis (N. trigeminus) während willkürlicher Innervation der Mm. masseter
    • Ableitung an beiden Mm. masseter
    • Patient:in soll die Zähne fest zusammenzubeißen
    • Währenddessen Stimulation am Foramen mentale über Hautelektroden (20 mA, Reizdauer 0,1 ms)
    • 5 Durchgänge mit mind. 10 s Pause zwischen den Stimulationen
    • Geräteeinstellung:
      • Verstärkung: 0,1 mV/Div
      • Filter: 20 Hz–2500 Hz
      • Zeitachse: 10–20 ms/Div
  • Befundung: Mittelwert aus 5 Antworten, Abgleich der Antwortlatenzen mit Normwerten für Obergrenzen und max. Seitendifferenzen
  • Interpretation: Typische Befundkonstellationen je nach Schädigungsort, z.B.
    • Störung der Afferenz: MHR1 ipsilateral und kontralateral verlängert
    • Störung der Efferenz: MHR1 und MHR2 ipsilateral bei ipsilateraler und kontralateraler Stimulation verlängert
    • Zentrale Störung, bspw.
      • Pontin median: MHR2 jeweils kontralateral verlängert
      • Pontin paramedian: MHR1 ipsilateral und kontralateral verlängert bei Stimulation auf der Seite der Schädigung
      • Lateral pontomedullär: MHR2 ipsilateral und kontralateral verlängert bei Stimulation auf der Seite der Schädigung

Normwerte der elektrophysiologischen Prüfung des Masseterhemmreflexes [1]

Kurvenelement

Latenz

Seitendifferenz der Latenz

MHR1

≤17,2 ms

≤7,1 ms

MHR2

≤57 ms

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